Viele Jahre, viele Geschichten

Unsere Dienstjubilare erzählen aus ihren Erinnerungen

Ute Gehring, 25 Jahre in Haubinda

Laechelnde blonde Frau in gebluemter Bluse vor bunter Pinnwand

Frau Gehrings Wirkungskreis ist die Grundschule: Häufig hört man sie, bevor man sie sieht. Damit ist aber mitnichten ihre Stimme gemeint, sondern die Klänge des Akkordeons, das so manchen Unterricht bei ihr begleitet. Auch ihre Anfänge sind musikalisch: „Ganz zu Beginn habe ich bei einer Musikschule gearbeitet und dann erfahren, dass hier in Haubinda eine neue Grundschule gebaut wird. Ich bin hergefahren, habe das Gebäude entstehen sehen und mich sofort in die Anlage und den Wald verliebt.“ Seit 25 Jahren ist sie nun bei uns tätig und das mit Herzblut.

„Es ist nach wie vor so toll, dass man den ganzen Tag mit den Kleinen arbeiten kann. Nicht, man hat sie hier eine Stunde und da eine Stunde und gibt sie wieder ab, sondern begleitet sie den gesamten Schultag.“

Auch die Arbeitsumgebung, dass zwischen den Klassenzimmern der Grundschule Küchen vorhanden sind, oder einem als Lehrkraft die Unterrichtsformen sehr frei gelassen werden, schätzt sie sehr. „Und vor allem: der Blick aus dem Fenster, hinein in den Wald, das ist jeden Tag so schön!“, schwärmt sie im Interview.

„Besonders freue ich mich, wenn meine ehemals kleinen Grundschüler als große Erwachsene wieder zum Schulfest kommen.“

Eine Gruppe von Kindern singt mit freundlicher Miene auf einer Holztreppe neben einer Frau in grün weißer Kleidung, die ein Akkordeon spielt

Einen Fun-Fact gibt es auch noch über sie. Wahrscheinlich kennt jeder unser Melodika-Ensemble in der Grundschule. Aber wussten Sie, dass das ursprünglich Flöten waren? Nur leider brummte Frau Gehring regelmäßig der Kopf und die Ohren sausten nach dem Flötenunterricht, sodass es die akustisch deutlich angenehmeren Melodikas die schrillen Flöten ersetzten. Dem Ergebnis vom Duett zwischen Akkordeon und Melodika / Chor kann zu verschiedenen Anlässen gelauscht werden – zu Festen oder unserem Kunstwettbewerb. Ganz bestimmt werden wir noch viele Musikeinlagen von Frau Gehring genießen dürfen!

Aelterer Mann mit grauem Bart und runder Brille laechelt leicht

Stefan Müller, 30 Jahre in Haubinda

„Wie ich nach Haubinda gekommen bin? Ja, eigentlich wollte ich mit meiner Familie ein Baby-Jahr in der Nähe von Suhl machen und dann ist leider der letzte Fleischer im Ort gestorben und damit war nichts mehr los, also hab ich mich für halbtags beim Schulamt beworben.“

Mit solch außergewöhnlichen, spannend aufgebauten Geschichten erfreut Herr Müller seine Schüler und Kollegen in Haubinda schon seit 30 Jahren. Eigentlich wäre er der Schule in Gleichamberg zugeteilt worden (deren Ortsname er zuerst für einen Kommunikationsfehler oder Witz hielt). Da diese aber geschlossen wurde, bevor er seinen Dienst antreten konnte, war Haubinda die nächste Option. „Da habe ich erstmal 3 verschiedene Straßenkarten durchsuchen müssen, bevor ich den Ort überhaupt irgendwo eingezeichnet gefunden habe!“, berichtet er über seinen Start.

Herr Müller erlebte Haubinda dann noch im Staatsdienst und wechselte 2001 zur Stiftung und damit in den Privatschulbetrieb. Die Haubindaner Atmosphäre, die ihm allerlei Möglichkeiten bot seine Ideen von Rad- und Kanutouren bis hin zum Schulstaat zu verwirklichen, war für ihn die deutlich attraktivere Perspektive. Das Schülergericht entstand als Projekt während seines Referendariats, „… wo man den Spagat zwischen Chef für Schüler und Lehrling für die Lehrer irgendwie wuppen musste …“. Mit dem Schülergericht drehte er den Spieß fürs Strafen verteilen einfach mal um.

„Bei der ersten Gerichtssitzung waren sogar Eltern dabei, die Angst hatten, das wird ein Tribunal, aber die waren danach alle ganz begeistert.“

Seit 2010 führt er zudem die Internatsfamilie im Torhaus, die den größeren, zuverlässigen Schülerinnen und Schülern vorbehalten ist, da die Räumlichkeiten sich auf Oberstufe und Bismarckhaus verteilen. „Es kam auch schon vor, dass jemand aus meiner Familie weglaufen wollte. In den Wald wollte er nicht, da er dort gefressen werden könnte und auf der Straße wär er bestimmt überfahren worden. Also hat er sich am Sportplatz zum Nächtigen niedergelassen und hatte dann ein Gefecht mit dem Rasenmäherroboter. Am nächsten Tag gab es eine normale Abreise.“, erzählt er als Anekdote aus dem Internatsleben.

Auch im Unterricht kann es passieren, dass er mit Enthusiasmus minutenlang Geschichte vor dem 1. Weltkrieg präsentiert, weil er denkt in Klasse 9 zu sein, tatsächlich aber Klasse 8 lauscht, bei der er gerade Sozialkunde hätte. Wir schließen uns den Schülern an: Bitte machen sie trotzdem weiter, Herr Müller!