Was tun, wenn ich ein (vermeintlich) hilfloses Tier auf dem Gelände finde?
Das Internatsdorf Haubinda liegt nicht nur idyllisch eingeschlossen von Feldern und Wäldern, sondern ist auch das Zuhause zahlreicher Tierarten. Nicht selten begegnen die Schülerinnen und Schüler ihren „WG-Mitbewohnern“ auf den täglichen Wegen über das Gelände. Kröten, die nach den ersten warmen Frühlingstagen in Scharen zum Laichgewässer wandern, Molche, die die offene Kellertür mit einer Einladung verwechseln, oder Hornissen, die es sich rund um die Obstbäume gemütlich machen und gelegentlich ein offenes Fenster passieren, sind nur wenige Beispiele für die reichhaltige Artenvielfalt rund um die Hermann-Lietz-Schule Haubinda.
Manchmal wird das Aufeinandertreffen mit der Fauna ein Notfall: Der Vogel im Katzenmaul, das Jungtier ganz alleine in der Wiese. Die Lage richtig einzuschätzen und korrekt zu handeln ist in diesen Fällen sehr wichtig.
Praxisbeispiele aus dem laufenden Schuljahr
Zunächst ein Kernbeißer-Jungtier. Der Kernbeißer ist ein markanter Vogel, der durch seinen kräftigen Schnabel gut erkennbar ist. Hier saß ein Jungtier in der Hecke und fiel durch schlappes Verhalten auf. Was tun? Bei Vogelküken ist es wichtig zu wissen, dass sie Entwicklungsphasen durchlaufen. Zunächst sind sie Nestlinge und werden im Nest von den Eltern versorgt. Beim Verlassen des Nestes werden sie zu Ästlingen, die meist auf dem Boden oder in Hecken sitzen. In diesem Stadium werden die Jungvögel trotzdem von den Eltern außerhalb des Nestes weiter versorgt. Hier gilt es anhand der Gefieder-Entwicklung einzuschätzen, ob Eingreifen notwendig ist. Hilflose Nestlinge (nackt oder nur zarte Federn) brauchen fachkundige Hände, wenn man sie nicht zurück ins Nest setzen kann. Ästlinge (ausgebildete Federn, nur noch leichter Flaum, flugunfähig) nur dann, wenn die Elterntiere nicht mehr kommen. Der Ästling-Kernbeißer war dehydriert und wurde nicht von Eltern versorgt, daher ging er zur Auffangstation.
Ein Hasen-Baby lag tief geduckt auf dem Sportplatz. Leider wurde es angefasst und trotz abreiben mit Gras und langer Beobachtungszeit aus der Ferne kam die Mutter nicht mehr zurück. Normalerweise legen Hasenmütter ihre Jungen an einem sicheren Ort ab. Diese ducken sich dort und verhalten sich unauffällig, sind zudem durch die Fellfarbe top getarnt, bis die Mutter zurückkehrt. Das Hasenbaby kam daher in fachkundige Hände. Dort wurde festgestellt, dass es tatsächlich erst knapp 3 Tage alt war. Bei Feldhasen ist es typisch, dass die Tiere schnell nach der Geburt Fell bekommen (im Gegensatz zu Kaninchen). Hier wäre es richtig gewesen, das Tier nicht anzufassen und aus der Entfernung zu beobachten. Dasselbe würde übrigens auch bei Rehkitzen gelten, bei denen die Mamas ähnlich handeln!
Ein weiterer Notfall: eine völlig verklebte Fledermaus. Vor dem Haupthaus fanden Schüler ein Häufchen Elend, das sich als Fledermaus entpuppte, die wohl eine Begegnung mit einem Fliegenfänger hatte. Fledermäuse sind nicht nur geschützte Tiere, sondern an vielen Orten selten geworden. Mit einem Pinsel gab Umweltpädagogin Dana Thumser dem Tier einige Tropfen Wasser. Dieses Tier war offensichtlich in Not und konnte an eine spezialisierte Päppelstelle verbracht werden.
Zuletzt: ein junges Eichhörnchen. Auch hier gilt normalerweise – nicht anfassen! Bei Eichhörnchen merkt man jedoch schnell, ob sie Hilfe benötigen. Wenn ein Jungtier bereits lange ohne Hilfe ausharren musste, suchen sie von selbst die Nähe zum Menschen, gehen auf sie zu, quietschen und beginnen an den Beinen hochzuklettern. Das ist ein Zeichen dafür, dass sie dringend versorgt werden müssen (und nicht eine vermeintliche Tollwut!). Auch dieser flauschige Gast konnte zu einer Wildtierpflege gebracht werden.
Generelle Verhaltensregeln in Haubinda und Tipps:
- Wildtiere nie mit der Hand anfassen!
- Wenn es unbedingt notwendig ist, dicke Handschuhe verwenden
- Einige Zeit aus sicherer Entfernung beobachten
- Eltern kommen, ja/nein?
- Verletzung?
- Wenn „nein“ oder offensichtliche Verletzung: Hilfe suchen
- während der Schulzeit: kontaktiere Frau Thumser!
- außerhalb der Dienstzeiten: bei Tierärzten anrufen und nachfragen, manchmal übernehmen sie Wildtierversorgung oder können zumindest weiterhelfen
- Apps (z.B. Wildtier SOS), Websites (z.B. Wildtierschutz, NABU, LBV…), örtliche Tierschutzvereine (Coburg, Hildburghausen) und Facebook-Gruppen nutzen, um die richtigen Leute zu finden – das kann viel Aufwand bedeuten!
- Kein Wasser / Nahrung geben, das fachkundigen Händen überlassen
- Bekannte Pflegestellen in der Umgebung:
- (Sing-)Vögel: Weidach, oder nachfragen bei NABU oder LBV, wo die nächste freie Pflegestation ist
- Eulen / Raubvögel: Neunershof, oder nachfragen bei NABU oder LBV, wo die nächste freie Pflegestation ist
- Fledermäuse: Ahorn bei Coburg, Fr. Papadopoulus
- Eichhörnchen: Meldung an Tierheim Coburg -> Eichhörnchen-Shuttle nach Bamberg




